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zuletzt geändert: 17. 10. 2017
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Alaska nach Feuerland - 41.000 Kilometer auf dem Fahrrad duch Amerika

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ein paar Bilder gibt es hier

Die "Neue Welt" entdecken. Das klingt wie Abenteuer aus der Zeit von Life Erikson oder Christopher Columbus. Nun, Amerika ist eigentlich schon lange entdeckt, trotzdem zog es mich dorthin um diesen großen Doppelkontinent zumindest für mich zu erkunden. Amerika ist eben auch, wie alle anderen Gegenden unserer Erde, stark im Umbruch, in Bewegung, so dass ich vom Mai 2013 bis Ende Januar 2015 mit meinem Rad sozusagen ein Stück Zeitgeschichte erleben und erfahren durfte, für mich neue Erlebnisse und Erkenntnisse sammeln konnte und 20 schöne abenteuerliche Monate verlebte.
Los ging es mit einem sehr vertrauten Teil unserer Welt: Nordamerika. Hier war ich bereits öfter mit meinem Expeditionsrad unterwegs. Aber Kanada, speziell Alaska und der Yukon, waren und sind immer wieder eine Reise wert. Ich rollte durch endlose Wälder, besuchte die kanadische Arktis, überrollte mehrmals die Rocky Mountains. Hier begegneten mir viele Tiere wie Bären, Füchse, Elche, Bisons, aber auch Millionen Mücken.

Auf Vancouver Island besuchte ich Freunde und war hier - nach 2001 - wieder zum Verweilen eingeladen. Gestärkt setzte ich dann meinen Weg durch die Prärien in Richtung Osten, dem legendären "Indian Summer" entgegen. Und die Bäume färbten sich, als ich mich bei den Ureinwohnern des großen Landes zum Pow Wow (einem indianischen, spirituellen Tanzfest ) einfand. Anfang November kam dann der Wechsel zur USA. Der Winter war mir dicht auf den Fersen, holte mich mit seinem frostigen Atem manchmal ein. Ich besuchte das Mississippi Delta, New Orleans, den Bundesstaat Georgia, wo es ein Wiedersehen mit Laura, einer langjährigen Freundin, gab. Den Abschluss bildete dann der Sonnenstaat Florida. In Delray Beach, nördlich von Miami, verbrachte ich den ersten Jahreswechsel meiner Reise und bereitete mich auf Lateinamerika vor.

Als Zwischenstopp diente dann Yukatan in Mexiko. Zwei Wochen gönnte ich mir, um mir die wunderbare Mayakultur anzusehen. Als absolutes Highlight erwies sich dann die Ausnahmeinsel Kuba. Hier verbrachte ich sechs schöne Wochen, an die ich immer wieder gerne zurückdenke: freundliche Menschen, ein sicheres Pflaster, alles sehr preiswert, immer warm, viel Sonne. Das komplette Gegenteil war der nächste Stopp, war die Hauptstadt Venezuelas, Caracas. Hier sterben täglich ca. 70 Menschen eines gewaltsamen Todes. Dazu kamen noch die vielen Demonstrationen und die politischen Unruhen. Doch auch hier war ich umsorgt von einem guten Freund, Romulo, den ich auf meiner Reise nach Kapstadt, in Griechenland, kennengelernt habe.

Zum Prüfstein wurde die Durchquerung des Amazonasbeckens. Besonders blieb mir die Straße mit der Bezeichnung BR 319 im Kopf. Auf einsamer, schlammiger Piste kämpfte ich hier auch gegen mich selbst, um weiter nach Bolivien zu gelangen. Trockener und auch dünner wurde die Luft im Hochland Boliviens auf der Altiplano. Sechs Wochen pausierte ich in La Paz, unternahm Touren in die Umgebung, konnte eine Solobesteigung des Mount Illimani realisieren und erreichte somit natürlich mit 6439 Metern den höchsten Punkt meiner Reise von Alaska nach Feuerland. Weiter nach Süden, in Richtung Argentinien, kurbelte ich nach dem Ende der Fußballweltmeisterschaft, kam am größten Salzsee unserer Erdkugel, dem Salar de Uyuni vorbei, erreichte den Norden Argentiniens. An der Grenze gab es dann schon den ersten Hinweis auf die südlichste Stadt der Welt: Ushuaia. Doch die Entfernungsangabe, die auf dem Schild stand, war der direkte Weg, den ich natürlich nicht nahm.

Die Speichenräder drehten sich wieder nach Brasilien rein, durch die für mich sehr europäisch wirkende Provinz Santa Catarina. Einen Besuch stattete ich der großen Atlantikinsel Florianopis ab.
Hier verweilte ich bei einem deutschen Künstler. Charles wanderte schon vor über dreißig Jahren nach Brasilien aus und malt auch heute noch mit Leidenschaft große und schöne Bilder. Über Uruguay wieder nach Argentinien strampelnd, wurde es dann mit jedem Kilometer windiger. Patagonien war erreicht und ein täglicher Wind - oder besser Sturm - wird hier unten zum treuen Begleiter eines jeden Reisenden. Trotzdem kämpfte ich mich immer weiter nach Feuerland voran.
Ushuaia erreichte ich im kalten Schneeregen, nichts Ungewöhnliches für diese Gegend, selbst im Sommer nicht.

Da ich auf der relativen öden und baumlosen Ruta 3 in Atlantiknähe unterwegs war, gönnte ich mir noch ein paar Kilometer, um noch die wunderschönen Nationalparks, die spektakulären Felsformationen, wie den Torres del Paine oder den sagenhaften Fitz Roy, einen Besuch abzustatten.
Hier durchfuhr ich seit langer Reisezeit wieder grüne Wälder. Die Anden mit ihren zahlreichen Vulkanen und Seen waren ein erfrischender letzter Abschnitt meiner spektakulären Tour, Santiago de Chile die Endstation. Trotz einiger schlimmer Erlebnisse, wie einen nächtlichen Überfall in La Paz, den Verlust einer schönen Beziehung, etliche Pannen, war die Reise ein super Erfolg und ich überstand die Entdeckungsreise durch Amerika mit 41.000 gestrampelten Kilometern gesund und unbeschadet.